Hier im Ihouse haben wir eine Gemeinschaftsküche mit mehreren Gaskochstellen, Waschbecken, einem Schrank voller Küchengeräte, einem Kühlschrank, den wir nicht benutzen sollen und einem Schränkchen für jeden Einzelnen von uns, um darin Gewürze und Ähnliches zu lagern. Da die Hygienevorstellungen von Mensch zu Mensch verschieden sind, sind die Waschbecken meistens mit Küchenabfällen verstopft und die Oberflächen und Geräte klebrig. Das ist schon mal nicht so schön, aber wir können uns ja kaum gegenseitig erziehen, also steht man dem leider machtlos gegenüber.
Nun ist es aber so, dass jeder von uns einmal im Monat "Küchendienst" hat und da ist mir tatsächlich letztens der Kragen geplatzt. Der Küchendienst, der ungefähr alle zwei Tage stattfindet, besteht daraus, dass man den Müll rausbringen muss und das Geschirr aus dem "Hitzeschrank" (ist so ein komischer Schrank, in dem das Geschirr einmal ganz hoch erhitzt wird, um es zu desinfizieren oder so) in den Schrank im Esszimmer räumen muss. Da es aufgrund des japanischen Recycling-Systems recht viele Säcke sind und da wir viele Leute sind, dauert so ein Küchendienst ungefähr eine halbe Stunde. Und da man es ja nur einmal im Monat machen muss und man immer in Zweiergruppen dafür eingeteilt wird, ist es trotz des Ekelfaktors der Küchenabfallsäcke nicht schlimm.
Diesen Monat hatte Fai Geburtstag und wir wollten am Donnerstag Abend ein bischen feiern, indem wir alle zusammen kochen und dann essen wollten. Am Mittwoch wäre für zwei Leute Küchendienst gewesen, aber als wir am Donnerstag Abend loslegen wollte, waren die Müllsäcke in der Küche am überquellen. Die beiden Mädels, die dran gewesen wären, waren nirgendwo zu sehen, also wechselten wir die Müllsäcke in der Küche selbst und hingen das "Ihr-habt-Küchendienst"-Schild an ihre Tür (wir erhalten den Plan, wann wer Küchendienst hat meisten zwei Monate im vorraus und er hängt auch in der Küche aus). Die Party war sehr nett und es wurde neugierig das deutsche Bier begutachtet, das Felix mit gebracht hatte und ich zu diesem Anlass auf den Markt warf.
Als ich spät nach der Party auf mein Zimmer gehen wollte, sah ich, dass das Küchendienstschild umgehängt worden war - und zwar an die Tür der Leute, die am Freitag mit dem Küchendienst dran sein würden! Ich nahm also das Schild und hängte es wieder an die Tür der Mittwochsleute, die ja bisher immer noch keinen Handschlag getan hatten. Am nächsten Morgen (Freitag), als ich gerade zum Frühstück gehen wollte, sah ich wie eines der Mittwochsmädels das Schild wieder an die Tür der Freitagsmädels hängen wollte. Ich habe sie dann angesprochen und gefragt, was das solle und ob sie denn ihren Küchendienst überhaupt gemacht hätte. Sie meinte, dass sie ihn nicht gemacht hätte, da sie und ihre Zimmerkollegin am Mittwoch erst so spät wieder zurück ins Ihouse gekommen seien und gestern sei ihre Zimmerkollegin nicht da gewesen und sie könne den Küchendienst ja nicht alleine machen (was auch Quatsch ist, da in einem solchen Fall eigentlich immer alle mit anpacken). Aber, so teilte sie mir mit, dass sei ja jetzt eh egal, da ja nun Freitag sei und sie somit auch nicht mehr mit dem Küchendienst dran sei, sondern das nächste Zweierteam. Auf meinen ungläubigen Blick hin erklärte sie mir dann, dass ja nun nicht mehr Mittwoch sei und da sie ja am Mittwoch dran gewesen sei, sei sie ergo jetzt nicht mehr dran.
Was dann passierte hat meinen Ruf im Ihouse bestimmt nicht verbessert, aber sie haben dann 5 Minuten später Küchendienst gemacht.
Diesen Sonntag waren wir auf eine Veranstaltung eingeladen, auf der Nagoyas Engagement für ausländische Studenten gefeiert werden sollte. Da für Ausländer der Eintritt frei war und dies zudem auch noch in einem historischen Gebäudekomplex sattfinden sollte, den ich noch nicht gesehen hatte, sattfinden sollte, bin ich mit eine paar von den Chinesinnen da mal hingegangen.
Das ganze fand dann draußen statt, in ein paar von diesen Gartenpavillons und es regnete in Strömen. Die Gebäude, die wir auch kurz besichtigen konnten, waren vor und auch noch für einige Zeit nach dem zweiten Weltkrieg Studentenwohnheime für Studenten aus anderen asiatischen Ländern gewesen und nun leer sind und unter Denkmalschutz stehen. Der Stilmix war tatsächlich sehr interessant anzuschauen. Wie sich herausstellte war die ganze Veranstaltung nicht nur von dem Komitee, das diese Häuser betreut, veranstaltet worden, sondern auch noch von einer Sprachenschule, die viel Zeit dafür aufwendete für ihr Programm Werbung zu machen, was auch dazu führte, dass wir vor der Besichtigung fast eine ganze Stunde lang in der nassen Kälte unter den Pavillons hockten und uns einiges an Gerede über das wunderbare Engagement dieser Sprachenschule (sie bietet Japanischkurse gegen Geld an) anhören durften. Zwischendurch sollte das Ganze dann immer wieder abschnittsweise von einer Japanerin ins Englische übersetzt werden, da aber deren Englisch so schlecht war, übersetzte sie immer nur ungefähr ein Drittel von dem, was gesagt wurde und das auch noch in einem wirklich gräulichem Englisch.
Nach der Besichtigung standen wir noch ein bischen in Gruppen herum und ich unterhielt mich gerade angeregt mit einer niederländischen Familie, als einer der Helfer/Veranstalter sich dazu gesellte und uns fragte, wie uns denn die Besichtigung gefallen hätte. Wahrheitsgemäß antwortete ich, dass ich die Gebäude sehr interessant gefunden hätte und so etwas vom Stil her auch bisher in Japan noch nicht gesehen hätte. Das freute ihn natürlich sehr und er wies noch einmal darauf hin, dass Nagoya ja ein solch langes, traditionelles Engagement hätte, um Ausländern hier das Leben zu erleichtern. Ich fragte ihn dann, wo den jetzt eigentlich die Studentwohnheime seien, in denen die ausländischen Studenten untergekommen sind, nachdem diese hier geschlossen und unter Denkmalschutz gestellt worden seien. Er war etwas verblüfft und sagte mir, dass er nichts von neuen Studentenwohnheimen als Ersatz für diese hier wissen würde, aber dass er schon davon ausginge, dass die Universitäten sich da schon irgendwie drum gekümmert hätten. Ich hielt es an diesem Punkt für besser mich einer anderen Runde anzuschließen, da ich nicht glaube, dass er meine Ansichten über das Engagement Nagoyas verstanden hätte. (Mal ehrlich: Noch nicht einmal im Schloss Nagoya, der größten Sehenswürdigkeit hier, sind alle Erklärungen auf Englisch erhältlich, während man in fast jedem Popelmuseum in Deutschland Führungen auf Kasette in etlichen Sprachen bekommen kann.)
Nun aber mal wieder ein paar Fotos:
Dienstag, 5. Februar 2008
Logik und andere Dinge
Geburtstagsessen
Deutsches Bier wir vorsichtig probiert...
...und fotographiert
Ehemaliges Studentenwohnheim
Ja, stilmäßig tatsächlich mal was anderes in Japan
Eingestellt von
Piranjade
um
06:49
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5 Kommentare:
Oh man - die Zustände im Heim müssen ja grausig sein. Vermutlich hatten die meisten Studenten dort nie einen eigenen Haushalt. Lass die mal ruhig ordentlich rund laufen!! ^^ Kann ja nicht angehen, dass das da so verdreckt ist. Ich dachte in Ländern wie Japan müsse man wegen Ungeziefern und Luftfeuchtigkeit gerade besonders auf Hygiene achten. Man man man... verwöhnte dumme Göhren!
Ich hoffe nur, dass das in Japan mit ner eigenen Wohnung klappt, wie geplant. Ich will mir kein Wohnheim antun müssen. T_T
Das alte Wohnheim sieht ja wirklich nicht schlecht aus. Da würde ich schon eher wohnen wollen. XD
Und die nicht vorhandene Internationalität von Nagoya: Haha - irgendwie hab ich's ja schon irgendwie befürchtet. Manche Klischees haben einfach einen verdammt wahren Kern. ^^;
Halt' weiter tapfer durch! *knuff*
Irgendwie erinnert mich das an das berühmte "Toll, ein anderer macht's". Ist schonn interessant, mit was für einer Dreistigkeit manche Leute das Gurppenleben ausnutzen. Erzähl doch nächsten Monat mal, ob die beiden Mädels dann vielleicht von alleine ihren Küchendienst antreten :)
Warum soll man eigentlich den Kühlschrank nicht benutzen?!
Es ist tatsächlich so, dass die meisten normalerweise noch bei ihren Eltern wohnen oder in einem Studentenwohnheim, wobei ich aber einfach mal vermute, dass es da anders zugeht, als wir es aus Deutschland gewohnt sind.
Über leopalace21 müsstest Du eigentlich ohne Probleme eine kleine Wohnung finden können. Die nehmen auch kein Schlüsselgeld (ein in Japan übliches Geldgeschenk an den Vermieter, das mal eben mehrere 1000Euro betragen kann) und fordern von Ausländern keinen japanischstämmigen Bürgen.
Warum wir die Kühlschränke nicht benutzen dürfen, weiss ich auch nicht. Wir haben in der Küche vier große, schöne Edelstahlkühlschränke, die aber mit fahrradschlössern gesichert sind, damit wir sie nicht benutzen. da sie sich trotz der Schlösser noch etwas öffnen lassen, werden sie aber trotzdem benutzt. (Ich benutze die nicht. Wie gesagt - unterschiedliche Hygienevorstellungen)
Wer weiß wie die Kühlschränke vorher aussahen bevor das Verbot kam. Wenn die da ähnlich reinlich waren wie dein Ex vor dem Auszug will ich gar nicht wissen, welche Farben der hübsche Schimmelflaum gehabt haben muss. *grusel* >_<
P.s.: Danke für den Tipp mit Leopalace21 - schaut auf den ersten Blick recht vielversprechend und unkompliziert aus. =]
Irseer Bier :D
@Hygienevorstellungen: [Robin Hood] Das ist ja ekelhaft [/Robin Hood]
Aber hey, sie haben Küchendienst gemacht. Wer braucht schon einen guten Ruf bei solchen Leuten? ;)
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