Dienstag, 29. Januar 2008

Aktivitäten

Es ist passiert! Mein Kalligraphie-Lehrer hat mich gelobt! Sowohl dieses als auch letztes Semester habe ich bei als Wahlpflichtkurs "Shodou", also japanische Kalligraphie belegt. Eine Stunde ist typischerweise folgendermaßen aufgeteilt: Wir bekommen eine Vorlage, die wir ein- oder zweimal kopieren indem wir sie unter unser Blatt legen. Danach malen wir sie noch zweimal ab. Von diese abgemalten "Bildern" suchen wir dann eines aus, das wir für das bessere von beiden halten, schreiben unseren Namen darauf und präsentieren es unserem Lehrer. Der markiert dann mit orangener Farbe, was gut gelungen ist (meisten nichts), das bekommt dann eine Spirale und was verbesserungswürdig ist (so gut wie alles) indem er die Fehler markiert. Danach malen wir die Zeichen noch einmal ab und versuchen umzusetzen, was er markiert und erklärt hat. Diese Bilder werden von ihm auch nicht noch einmal überprüft, sondern direkt im Flur unserer Abteilung aufgehängt. Auf denen befinden sich also nicht die orangen Korrekturstriche. Sähe ja sonst auch etwas seltsam aus.
Hier ist also mein bisher bestes Schriftstück:


Mit dem Kurs "Japanische Kultur" haben wir eine Sakefabrik besucht. Viel konnte man allerdings nicht sehen, da Gärung nun mal kein besonders spannend anzuschauender oder dynamischer Prozess ist. Man hat uns also den Reis gezeigt, der solange poliert wird bis nur noch ein winziges, strahlend weißes Reiskörnchen überbleibt, das dann in einer Art riesigem Reisdämpfer außen weich gemacht wird. danach folgen verschiedene Gärungsschritte, zuerst in Kästen, dann in einem warmen und feuchtem Raum und zum Schluss in verschiedenen großen Tanks, wobei noch irgendwie weiter angegorener Reis hinzugegeben wird. das Endprodukt ist dann noch nicht klar wie Wasser, sonder milchig trüb und wird noch gefiltert und noch eine Runde gelagert, um es reifen zu lassen. Wir durften sowohl den trüben, als auch den gefilterten Sake probieren und mir persönlich hat der trübe besser geschmeckt.
Was mir außerdem noch sehr gut gefiel, war das alte Gebäude, in dem die Fabrik untergebracht war: Schiefe Deckenbalken, steile Treppen und eine wüste Verkabelung.



Reiskörner in verschiedenen Stufen des Polierens




Der große Reisdämpfer (ich meine nicht den grauhaarigen Japaner)




Eine kleiner Schrein für die Sakegötter




Reis und Gärstoff vermischt in Kästen




Ein Sakegärtank




Überall Kabel




Beim Sakeprobieren




Trüber Sake, Nigori genannt

Dienstag, 22. Januar 2008

Reisen II

Nachdem Krankheit und Klausuren überstanden waren, ging es auch schon rapide auf Weihnachten zu, was für mich hieß: Felix kommt mich besuchen! Da er nur 10 Tage im Ihouse übernachten durfte (diese Regel gilt übrigens auch, wenn alle Gästezimmer frei sind), haben wir und für zwei Wochen ein kleines Apartment in einem anderen Stadtteil (Ikeshita) angemietet und zwei weitere Nächte hat Felix im Capsule Hotel verbracht.

Nun aber zu unseren "kulturellen" Unternehmungen.
In Nagoya haben wir den Atsuta Schrein, einer der ehrwürdigsten Schreine in Japan, besucht. Hier soll sich das eines der drei japanischen Throninsignien, das heilige Schwert "kusanagi no tsurugi" befinden, dass aber niemand außerhalb der Kaiserfamilie sehen darf. Auf jeden Fall liegt der Schrein in einer schönen Parkanlage, in der sich auch ein kleines Museum befindet, das Felix und ich dann auch gleich besucht haben. Dort sind vor allem bemalte Wandschirme und alte Schwertklingen ausgestellt. Im Park liefen recht viele Hähne rum, warum weiß ich allerdings nicht. Leider war der Tag etwas trübe, daher sind die Fotos nicht so richtig gut geworden.






Ein paar Tage später sind wir dann zur Nagoya Burg gefahren.
Auch die ist von einem sehr schönen Park umgeben, der aber im Gegensatz zum Park um den Atsuta Schrein, der vor allem hohe Bäume hat, tatsächlich eine sehr kunstvoll angelegte Parkanlage ist. Die Burg selbst ist im Zweiten Weltkrieg abgebrannt und dann wieder aufgebaut worden. Daher ist sie innen vollkommen modern und erinnert mit iheren schrägen, modernen Holzdecken an bischen an eine Waldorfschule. Zur größeren Bequemlichkeit der Besucher hat man auch gleich einen Fahrstuhl eingebaut und an der Außenmauer befindet sich ein weiterer, um behinderten Besuchern den Zugang zur Burg zu ermöglichen. In der Burg findet man ein Museum, in dem aber fast alles ausschließlich auf Japanisch beschrieben ist. Im obersten stockwerk ist ist eine Aussichtsraum mit Bezahlfernrohren, in dem man die häßlichsten Mitbringsel aller Zeiten kaufen kann.







Sylvester haben wir einen kleinen Schrein in Ikeshita besucht und Neujahr sind wir zum großen Schrein in Osu Kannon gefahren, von dem ich am 15.9. ein paar Fotos gepostet hatte. Zu neujhar war es dort natürlich brechend voll und die Menschen standen in einer mehreren hundert Meter langen Schlangen an um in den Tempel zu kommen und zu beten. Es war eine spannende Mischung aus moderner und traditioneller Bekleidung! Um den Tempel herum waren viele verschiedenen Freßstände aufgebaut, an denen Felix und ich uns erstmal gütlich taten bevor wir ein Schaufenstershoppen gingen. Neujahr ist hier nämlich die Zeit der Sonderangebote und die Japaner scheinen mindestens so viel einkaufen zu gehen, wie die Deutschen zu Weihnachten.










Wieder ein paar Tage später ging es dann das erste Mal gemeinsam aus Nagoya raus: Wir sind mit dem Zug in die Berge gefahren, und zwar nach Gero, einer kleinen Stadt mit heißen Quellen, den Onsen. Auch wenn es alles recht lange dauerte, habe ich die Zugfahrt durch die Berge, die ich bis dahin noch nicht gesehen hatte sehr genossen und habe ständig versucht aus dem fahrenden Zug heraus Fotos zu schießen, sehr zum Amusement der japanischen Reisenden. Ich fand die Landschaft einfach toll, mit ihren Flüssen und Wasserfällen, Bambuswäldern und Dörfern. Vielleicht ist es sogar im Sommer noch schöner, aber als wir noch höher kamen und Schnee lag, war es auf jeden Fall grandios!




Gero selbst hatte irgenwie Ähnlichkeit mit einem Skiort in den Alpen. Vielleicht gibt es einfach etwas was Tourismusorte in den Bergen so aussehen lässt, egal wo auf der Welt sie sich befinden. Aber wie gesagt, es ist ein Onsenkurort und in der ganzen Stadt sind öffentliche Fußbäder am Straßenrand verteilt, die man kostenlos benutzen kann, und an der großen Brücke über den Fluss gibt es ein öffentliches Bad, das auch kostenlos ist. Es sollte einen halt nur nicht stören, dass Leute einen von der Brücke aus beobachten können. Auch gibt es viele kleinen Schreine an denen das Onsen-Wasser hervorsprudelt, so dass man auch mal die Hand reinhalten kann - es ist wirklich sehr heiß. Weiter oben auf dem Berg, gibt es noch einen etwas größeren, sehr schönen Onsen-Schrein, von dem man eine tolle Aussicht über den Ort hat. Ganz in der Nähe steht ein mehr als eindrucksvolles, traditionelles japanisches Hotel, dem leider kein Foto gerecht wird. Einfach atemberaubend!
Etwas außerhalb von Gero gibt es noch eine Art Museumsdorf, in das wir aber nicht mehr gefahren sind. Eine der chinesischen Auslansstudentinnen war eine Woche später dort (die hat aber dann durch diesen Abstecher den letzten Zug zurück nach Nagoya verpasst und musste in Gero übernachten)und hat mir ihre Fotos gezeigt; ich glaube ein Besuch würde sich lohnen.











Am nächsten Tag sind wir gleich wieder mit dem Zug in die Berge gefahren und zwar ins Kiso Tal. Dort gibt es ein zwei kleine Dörfer, Magome und Tsumago, die früher als Zwischenstation zur Versorgung Reisender, die diese Gegend durchqueren wollten und als Stützpunkte für die Post gedient haben. Das besondere an diesen Dörfern ist, dass die alten Häuser zum großen Teil erhalten geblieben sind.
Also ging es mit einer kleinen Bummelbahn gemütlich los. Und während ich wieder am Knipsen war, übte sich Felix in der japanischen Kunst des "Inemuri", des Nickerchens, die der Herr neben ihm schon in jahrzehntelangem Training gemeistert hatte.





Tatsächlich war es gar nicht so einfach nach Tsumago zu gelangen, nachdem wir in Nagatsugawa in einen noch kelineren zug umgestiegen waren, kamen wir in Nagiso an, wo wir in einen kleinen Bus umstiegen, in dem außer uns nur noch eine japanische alte Dame saß. Der Bus fuhr dann durchs Dorf, über ein Feldwege, zurück auf eine Hauptstraße und dann wieder über kleine Wege bis wir irgendwann in Tsumago ankamen. Dort stellten wir dann fest, dass der letzte Bus schon bereits um Viertel vor Vier fährt und wenn wir den verpassen würden, müssten wir über den Berg zurück nach Nagiso wandern.
Tsumago liegt in einem wirklich tiefen Tal, in das bereits früh am Tag kein Sonnenschein mehr reicht. Es war sehr kalt. Außer uns gab es kaum Touristen in dem kleinen Ort, auch wenn uns berichtet wurde, dass es im sommer vor Touristen nur so brummt. Die meisten der historischen Häuser sind Souvenir-Läden, hauptsächlich mit Kunsthandwerk und es sind tatsächlich viele hübsche Dinge dabei.














Wir haben übrigens den letzten Bus gekriegt.