Dienstag, 12. Februar 2008

Reisen III

So, heute gibt es wieder einen Reisebericht. Dieser Ausflug ist zwar schon etwas her, aber auf jeden Fall erwähnenswert.
Im Januar hatte ich mich länger mit Lusa unterhalten. Sie ist das einzige chinesische Mädel, das Interesse an Reisen zeigt und es stellte sich heraus, dass wir beide gerne zum Schrein nach Ise fahren wollten, aber beide nicht so richtig Lust hatten es alleine zu tun. Also beschlossen wir am nächsten Wochenende gemeinsam loszufahren. Ein paar Blick in verschiedene Reiseführer brachte zu Tage, dass in der Nähe von Ise noch weitere Sehenswürdigkeiten gibt, unter anderem die "Verheirateten Felsen" (Meoto Iwa), die auf den Fotos wirklich toll aussahen. Da wir beide schon einiges an Schreinen besucht hatten, entschieden wir den Felsen Vorrang zu geben und uns diese zu erst anzuschauen und dann den Schrein in Ise. Alle Reiseführer waren sich zudem darüber einig, dass direkt vom Bahnhof in Ise ein spezieller Bus, genannt CAN-Bus, abfährt, für den man sich ein recht günstiges Tagesticket kaufen kann und der alle Sehenswürdigkeiten anfährt.
Also saßen wir am Samstagmorgen gut gelaunt im Zug Richtung Ise und konnten gleich noch eine Besonderheit des japanischen Bahnsystems mitbekommen: Da das japanische Schienennetz verschiedenen Bahngesellschaften gehört, passierte es, dass wir mit dem Zug, in dem wir gerade saßen ein Stück Schienennetz überfuhren, das nicht der Bahngesellschaft gehörte in deren Zug wir saßen und deren Ticket wir gekauft hatten. Also mussten wir, als wir über dieses Stück fuhren, im Zug ein extra-Ticket nachlösen.
In Ise angekommen, fanden wir dann auch direkt die Haltestelle des CAN-Buses, nur um festzustellen, dass dieser aus nicht näher erklärten Gründen für mehrere Wochen nicht fuhr. Na toll. Wir hätten jetzt also recht lange auf den nächsten Bummelzug warten können, um zwei Haltestellen weiterzufahren, was uns näher an die Küste und die Felsen herangebracht hätte und von dort aus uns einen Fußweg zu den Felsen zu suchen. Wir wollten aber nicht so viel Zeit verlieren und nahmen ein Taxi, dass uns nur unwesentlich mehr kostete, als uns der CAN-Bus gekostet hätte. An der Küste angekommen, maschierten wir fröhlich das letzte Stück zu den Felsen und knipsten vergnügt die vielen Frosch- oder Krötenstatuen, die überall rumstanden. Auch wenn Nagoya nicht weit von der Küste entfernt ist, war es sowohl für Lusa als auch für mich der erste Ausflug zur Küste und wir waren einfach sehr, sehr froh mal etwas anderes zu machen und etwas anderes zu sehen. Wir gingen also um die letzte Biegung und sahen die Felsen. Diese waren... überraschend klein. Was war passiert? Auf dem größeren der beiden heiligen Felsen befindet sich ein Torii gennantes Tor, das man sonst an Schreinen, aber auch an anderen heiligen Orten findet. Diese Toriis sind normalerweise mindestens zwei Meter hoch. Da man auch auf den Fotos immer das Torii auf dem Felsen sehen konnte, hatten Lusa und ich immer dadurch einen Eindruck von der Größe der Felsen zu haben geglaubt. Das Torii auf dem Felsen ist aber nur irgendwo zwischen 50cm und einem Meter hoch. Das tat aber unserer guten Stimmung keinen Eindruck und wir fotografierten weiter fröhlich durch die Gegend und liefen dann noch eine wenig übermütig am Strand entlang.
Da wir zurück nicht noch einmal ein Taxi nehmen wollten, ließen wir uns den Weg zur Bahnstation schildern und maschierten los. Da stießen wir auf ein interessantes Schild: "Vorsicht vor den Affen". Affen?!? Der nächste verfügbare Einheimische wurde daraufhin befragt und wir erfuhren, dass tatsächlich öfters Affen aus den nahen Bergen herunterkommen und die Touristen belästigen würden. Aber man können nie vorraussehen wann das passieren würde. Auf dem weg zur Bahnstation, der erstaunlich weit war, hielten wir also intensiv nach Affen Ausschau und als sich abzeichnete, dass wir hier unten keine sehen würden, überlegten wir auch kurz noch auf einem der Wanderwege einen Abstecher in die Berge zu machen. Im Endergebnis entschieden wir uns aber dagegen, da wir uns schon noch den Schrein in Ise anschauen wollten. Gerade als wir endlich am Bahnhofsvorplatz ankamen, fuhr ein CAN-Bus an uns vorbei. Verblüfft diskutierten wir, ob es möglich sein könnte, dass wir das Schild in Ise irgendwie missverstanden haben könnten, konnten aber aus der Erinnerung heraus keinen Fehler in unserer Interpretation finden und da das ja nun eh nicht mehr zu ändern war und wir auch nicht wussten wo der Bus denn hier halten würde (am Bahnhof war nichts zu entdecken) fuhren wir mit dem Bummelzug nach Ise.


Kröte und normalgroßes Torii


Mehr Kröten (oder vielleicht doch Frösche?)


"Verheiratete Felsen" mit Mini-Torii


Lusa am Strand


Wo sind die Affen?


Der Schrein in Ise, der als Japans heiligster Schrein gilt, ist in zwei Teile geteilt, den "Äußeren Schrein" (Geku), der in der Stadt liegt und vom Bahnhof aus zu Fuß erreichbar ist und den "Inneren Schrein" (Naiku), der etwas außerhalb der Stadt liegt, aber es gibt einen Linienbus (und normalerweise auch einen CAN-Bus), der dort hinfährt.
Wir gingen also zuerst zum Geku. Die Anlage um den Schrein herum ist wirklich sehr beeindruckend: Riesige Bäume säumen die Kieswege und auch ein paar hübsche Teiche sind versteckt. Die verstreut liegenden Gebäude, also die eigentliche Schreine, sind schlichte Holzgebäude, die von zweifarbigen Steinen umgeben sind. Die allerheiligsten dieser Gebäude, die übrigens alle 20 Jahre abgerissen und dann nach exakt denselben, alten Methoden wieder aufgebaut werden, darf man allerdings nicht fotografieren. Auch ansonsten ist der Schrein in Ise eine interessante Mischung aus Heiligtum und Touristenattraktion. Es gibt riesige Parkplätze um die Flotte an Reisebussen, die ständig kommt und geht, aufnehmen zu können, aber wir haben auch recht viele Menschen gesehen, die anscheinend tatsächlich irgendwelche religiösen Sachen zu verrichten hatten. Einige der Gebäude, die für Andachten vorgesehen sind, dürfen auch nicht betreten werden, wenn man vorhat sie nur zu besichtigen. Auch an diesem Ort sind alle Auschilderungen nur auf Japanisch vorhanden. Auf ausländische Besucher ist Japan also auch hier nicht vorbereitet.




Mit dem Linienbus ging es dann zum Naiku, wo wir als allererstes auf dem Busparkplatz einen CAN-Bus sahen! Nun wollten wir aber wissen was los war und befragten den Busfahrer des CAN-Buses. Dieser ezählte uns dann, dass der CAN-Bus nun für mehrere Wochen nicht in Ise direkt fahren würde, sondern nur zwischen den um Ise herumliegenden Sehenswürdigkeiten verkehre. Warum das so sei, konnte er uns aber auch nicht sagen.
Auch egal.
Über eine riesige, hölzernen Brücke ging es also zum Naiku. Langsam wurde es auch schon dunkel. Wenn das irgendwie möglich ist, waren die Bäume hier noch größer als am Geku. Außerdem gab es noch einen Fluss in dem mit Wünschen beschrifteten Steine lagen und ein gerade ein weißer Kranich aufflog, als wir ans Ufer kamen. Durch die bittere Kälte machten leider unsere Kameras schlapp, was wirklich schade war, da wir das Gefühl hatten die ganze Eindrücke nicht wirklich in uns aufnehmen zu können. Wir versuchten sie also ein wenig wieder zu wärmen indem wir sie unter unsere Jacken steckten und konnten so wenigstens noch ein paar Fotos aus den Batterien herauskitzeln bevor es endgültig zu dunkel wurde.





Mit unserer Besichtigungstour für diesen Tag sehr zufrieden, aßen wir dann noch an einem hübschen Restaurant in der Nähe des Bahnhofs ein absolut scheußliches Abendessen und kehrten müde nach Nagoya zurück.
Wenn es wärmer ist, wollen wir noch einmal zurückkehren und nach den Affen suchen.

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