Samstag, 20. Oktober 2007

Es ist viel passiert

Erst einmal Entschuldigung dafür, dass ich hier so lange nichts geschrieben habe.
Ich war die letzten Abende meistens einfach zu KO um noch etwas zusammenhängendes zu tippen und an den Abenden, an denen ich es nicht war, ist dann immer etwas anderes passiert.
Ich war unter anderem deshalb so KO, weil ich jetzt von mir aus als Gasthörer zu einigen Englischkursen an der Uni gehe, um mehr Kontakt zu Japanern zu bekommen. Das hat ganz toll funktioniert! Gerade in der einen Stunde unterhalten wir uns immer über soziale Themen wie z.b. Obdachlosigkeit und ich finde es super interessant die japanische Perspektive auf diese Themen zu erfahren. Zudem sind es Klassen, die noch nicht so gut Englisch können und in denen die Studenten daher immer mal wieder etwas auf Japanisch erklären, somit lerne ich viel dabei. In den Mittagspausen sitze ich jetzt auch immer häufiger mit japanischen Studenten aus diesen Kursen zusammen.
Außerdem habe ich mich auch noch mit der einen Englischlehrerin (eine Jazz-singende Kanadierin) angefreundet.
In meinen morgendlichen Hörverstehenübungen (ich höre mir Texte von Kassette an und muss dann dazu schriftlich Fragen beantworten) bekomme ich jetzt mehr Texte über japanische Geschichte und Kultur zu hören, was mir wesentlich besser gefällt, als die Kindergeschichten, die vorher dran waren.
Letztes Wochenende fand hier in Nagoya "Nagoya Matsuri" statt, das Nagoya-Stadtfest. Da gab es viele kleine Freßstände, Gymnastik- und Musikaufführungen, Ausstellungen über japanisches Kunsthandwerk und eine große Parade durch die Stadt.



Ich wäre auch am Sonntag gerne nochmal auf das fest gegangen aber leider hatte ich zugesagt mir ein Sportfest an einer Grund-und Mittelschule anzuschauen, nachdem man mir mehrfach versichert hatte, dass ich nicht mitmachen müsse. Somit sind dann einige Austauschstudenten, die nicht zu KO vom Karaokegelage in der Nacht zuvor waren oder wie ich einfach trotzdem gegnagen sind, mit Haba-san, dem Hausmeister des I-House, der die ganze sache organisiert hatte, zum Sportfest geradelt. Dort wuden wir einer Manschaft zugeteilt und bekamen unser Outfit.
Hier mal ein Foto wie eine Mutter ihrem Sohn dieses Outfit anzieht.


Und so sieht das denn aus, wenn ich das anhabe:


Nun ja.
Natürlich mussten wir uns dann doch an einigen der spielerischen, sportlichen Aktivitäten Beteiligen, wie z.B. Bälle in einen Korb werfen, mit einer Stange laufen oder Tauziehen.

Zweiter und Dritter von links sind Austauschstudenten (Korea + Nepal).


Das Publikum


Wir


Dann hat diese Woche leider Kieran's Freundin von Australien aus am Telefon mit ihm Schluss gemacht. Kieran ist völlig am Ende. Er schläft daher zur Zeit auch in Fai's Zimmer. Daher habe ich dann noch einige Abende mit Gesprächen mit ihm verbracht oder mit den anderen zusammen versucht ihn irgendwie beschäftigt zu halten.
War eine interessante Woche!

Donnerstag, 11. Oktober 2007

Sag mal...

Meine Beziehung zu den chinesischen Austauschstudenten hat sich auf erstaunliche Art und Weise ruckartig verbessert. Ganz genau habe ich die Hintergründe auch noch nicht durchschaut, aber ich werde es mal so beschreiben, wie es sich aus meiner Sicht darstellt.
Am Montag sind zwei Japanerinnen vorbei gekommen, um mich und Ju Min zu besuchen: Chie, die auch mit beim Bowling war und eine ihrer Freundinnen, die wir noch nicht kannten. Die beiden brachten als Überraschungsgast noch einen taiwanesischen Studenten mit, der inzwischen seit einigen Jahren hier lebt. Schnell saßen wir mit noch ein paar weiteren chinesischen Studentinnen an einem Tisch zusammen und unterhielten uns auf Japanisch, Englisch und Chinesisch. Es war alles sehr lustig. Später wurde die Runde dann etwas kleiner und es blieben noch Chie und ihre Freundin, Ju Min, Yoyo und ich zurück. Yoyo ist schon vorher mit Sprüchen, wie "Ju Min kommt nicht aus Taiwan, sie kommt aus China" blöd aufgefallen und sprach nun schon seit einer Weile nicht mehr mit Ju Min. In der großen Runde war das nicht weiter aufgefallen, aber als wir nun zu viert da saßen, war es schon etwas komisch. Ju Min und Yoyo sind beide im selben Japanischkurs und als Teil ihrer Hausaufgabe, sollten sie Japaner über das japanische Frauen- bzw. Männerbild befragen. Das taten sie den auch und daraus entwickelte sich eine interessante Unterhaltung über kulturelle Unterschiede.
Wie und warum sich die Richtung des Gespräches dann änderte, kann ich nicht mehr genau sagen, auf jeden Fall fing Yoyo mit einem mal an von der Wichtigkeit der nationalen Einheit zu sprechen und dabei Ju Min bedeutungsvolle Blicke zuzuwerfen. Ju Min sah echt bedrückt aus und mir platzte der Kragen. Ich fiel also Yoyo ins Wort und sagte, dass man das doch jetzt echt nicht so wichtig nehmen solle, schließlich sei das was ganz normales und würde eigentlich überall auf der Welt stattfinden. Yoyo war sehr erstaunt und fragte: "Echt?". Natürlich wollten dann alle wissen, wie ich das meinte und ich habe mich etwas aus dem Fenster gelehnt und habe von den Grenzstreitigkeiten in der deutschen Geschichte mit Dänemark und Frankreich erzählt und von der Schaffung Polens nach dem zweiten Weltekrieg und dass auch heute nicht alle Leute mit der Grenzziehung einverstanden sind. Dann habe ich noch kurz von den Unabhängigkeitsbestrebungen in Quebec und im Baskenland erzählt, die unglückliche Grenzschaffung in Afrika miteingeworfen und gefragt, ob eigentlich schon mal einer von Ihnen vom Tschetschenienkrieg gehört hat (Nö, hatte keiner). Dass Venezuela immer noch Anspruch auf Guyana erhebt und es bestimmt auch noch im Irak Leute gibt, die der Ansicht sind, dass Kuwait zu ihnen gehört, fanden sie dann schon fast amüsant und auch Yoyo entspannte sich immer weiter. Das bemerkte auch Chie, die dann einwarf, dass auch Japan da so ein paar Inseln im Norden hätte, bei denen man sich darüber streiten können wem die eigentlich gehören. Yoyo war zutiefst erstaunt und nachdenklich und hat dann gemeinsam mit Ju Min den Abwasch gemacht!
Etwas später fiel mir auf, dass Yoyo anscheinend versuchte mich mal für einen Moment allein zu erwiswchen. Also ließ ich mich erwischen. Sie stand ganz emotional vor mir und es schien ihr etwas auf der Seele zu brennen. Nach ein wenig herumstammeln, brachte sie dann heraus: "Julia, kann ich dir eine Frage stellen?". Ich sagt, dass sie das auf jeden Fall können und sie fragte, fast aufgebracht: "Julia, was ist das wichtigste für deutsche Menschen? Es ist ihr Besitz, ihr Eigentum, oder?!?" Ich war verblüfft und antwortete, dass ich glaube, dass für deutsche Menschen andere Menschen, also ihre Freunde, Familie und so am wichtigsten sind. Es war dann für einen Moment ganz still und Yoyo schaute zu Boden. Dann hob sie den Kopf und sagte nur: "Ahhhh, ich verstehe", lächelte und ging weg.
Seitdem kommen immer wieder welche von der chinesischen Studenten zu mir und fragen: "Julia, kann ich dir eine Frage stellen?". Es haben sich daraus viele sehr interessante Gespräche entwickelt und da ich dieselbe Frage dann meistens auch stelle, habe ich schon viele interessante Dinge über China erfahren.
Aber das Beste ist:
Die Stimmung ist besser und alle sind entspannter.

Sonntag, 7. Oktober 2007

Kuwana

Ich bin also gestern mit dem Zug nach Kuwana. Das einzige, was das Zugfahren etwas schwierig gemacht hat, war die Tatsache, dass es verschiedene Bahngesellschaften gibt und die alle ihre eigenen Bahnsteige und Fahrkartenautomaten hier in Nagoya haben. Das war ein wenig verwirrend. Auf dem Rückweg war es einfacher, da Kuwana ein kleiner Bahnhof ist und die sich dort die Bahnsteige teilen.
Die Zugfahrt war schön: Raus aus Nagoya und die Stadt aus der Ferne betrachten können. Landschaft mit Flüssen Feldern und in der ferne die Berge. Leider sind die Sitze in vielen japanischen Zügen parallel zum Fenster angebracht, wodurch das Rausschauen etwas unbequemer ist.
In Kuwana angekommen, hat mich Yamamori-sensei am Bahnhof abgeholt und zum Kimono-Geschäft eines Familienmitgliedes (ich glaube es war sein Bruder) geführt. Dort fand nämlich gerade eine Ausstellund einer besonderen Art von Puppen statt, der sogenannten Ichimatsu. Diese kostbaren Puppen haben Gesichter, die aus einem Muschelgemisch hergestellt werden, das aussieht wie Porzelan. Ihre Kleider werden aus Kimonostoffen hergestellt. Jede einzelne dieser Puppen kostete zwischen 1000 und 5000 Euro. Für mich sahen sie sehr mysteriös und geheimnisvoll aus.
Danach sind wir in eine winziges Nudel-Restaurant gegeangen, wo ich gekühlte Udon-Nudeln (hiyashi Udon) gegessen habe. Das heißt, dass in der Brühe/Wasser, in dem die Nudeln schwammen, als sie serviert wurden, auch tatsächlich Eiswürfel schwammen. Es war erstaunlich lecker und erfrischend.
Hinterher sind wir dann zu der Halle gegangen, in der das Konzert stattfand und ich lernte weitere Mitglieder aus Yamamori-senseis großer Familien kennen. Er hat 6 Geschwister und seine Mutter lebt auch noch!
Das Konzert war gut und ich fand die Zusammenstellung der Stücke, von Mendelsohn über Grieg zu Chopin und Balakirew sehr interessant. Ich habe es auf jeden Fall sehr genossen. Yamamori-sensei hatte auch Blumen bestellt, die ich der japanischen Pianistin, die allerdings in Deutschland wohnt, überreichen durfte. Wir durften auch noch kurz in de Backstage-Bereich.
Bei Kaffe und Kuchen in einem Café ließen wir dann in großer Runde den Tag ausklingen und nachdem sich die Runde aufgelöst hatte, bin ich noch auf einen Tee mit Yamamori-sensei und seiner jüngeren Schwester ins Kimonogeschäft geladen worden.
Danach ging es für mich zurück nach Nagoya.

Samstag, 6. Oktober 2007

Großer Fotoaufruf!

Ich stelle immer wieder fest, dass ich zu wenig Fotos dabei habe. Häufig würde ich gerne die Dinge, die ich gerade jemandem über Deutschland erzähle, auch zeigen.
Also: Bitte schickt mir Fotos per email oder Post! Alle möglichen Fotos wären toll! Schickt einfach irgendwas! Fotos von Euch selbst, von Eurer Wohnung, von der Straße in der ihr lebt, von der Uni, der Landschaft, der Schrebergartenkolonie, Eurem Essen, einem Eisbecher, der Mensa, Sehenswürdigkeiten, öffentlichen Verkehrsmitteln, Geschäften, Restaurants, Nachbar´s Garten, usw etc. Was auch immer Euch einfällt! Am besten schickt ihr sie verpackt an piranjade at kugelralle punkt de.
Vielen Dank im Voraus!
Ich glaube von der Existenz von Schrebergartenkolonien habe ich sie hier tatsächlich nicht überzeugen können...

Freitag, 5. Oktober 2007

Raus aus Nagoya

Nun kann ich doch nicht genau sagen, wann ich Samstag online bin, da ich zum ersten Mal wegfahre. Ich fahre mit dem Zug nach Kuwana. Dort treffe ich Yamamori-sensei und er zeigt mir die Stadt. Es ist nämlich seine Heimatstadt. Dann gehen wir noch in ein Klavierkonzert.
Das führt dazu, dass ich nicht weiß, wann ich abends wieder da bin und Skypen kann, aber da ja anscheinend viele Leute Samstag Mittag und Nachmittag etwas vorhaben, ist das glaube ich nicht ganz so schlimm.
Vielleicht wird es ja nächste Woche eher was.

Donnerstag, 4. Oktober 2007

Abenteuer Ernährung III

Ich werde jetzt dann doch endlich mal erklären wie die Mensa an der Uni hier funktioniert.
Als erstes wählt man auf einer Tafel aus, was man gerne essen möchte.
Lasst euch nicht von der Vielzahl der Gerichte irritieren. Es sind zum Großteil verschiedene Sorten Nudeln mit (der jeweils gleichen) Beilage oder Reis mit Beilage.

Wenn man sich dann entschieden hat, wirft man sein Geld in diesen Automaten ein und drückt auf den Knopf auf dem der Name des Essens steht. Hier erfährt man dann auch, welche Gerichte ausverkauft sind oder es an diesem Tag einfach nicht gibt. Unten aus dem Automaten kommt dann ein mit dem Namen des Essens bedruckter Schipsel raus. Der sieht so ähnlich aus wie eine Fahrkarte in Hamburg.

Mit diesem Schnipsel geht man dann zur Essensausgabe und stellt sich an der richtigen Stelle an, je nachdem für was für eine Art von Essen man sich entschieden hat. "Lunch" ist übrigens ein täglich wechselndes Gericht, das meistens etwas teurer ist, aber sehr gut. Es besteht häufig aus vielen kleinen Einzelteilen, z.B. ein bischen fritierte Fisch, ein bischen roher Fisch, dazu ein kleiner Salat, ein bischen Reis und eine Tasse mit Miso-Suppe. Optisch richten sie das Essen auch in der Mensa ansprechend her. Ich habe nur vergessen davon Fotos zu machen.

Auch im kleinen Supermarkt neben der Uni kann man sich warme Snacks kaufen, wenn man mal auf etwas anderes Lust hat. Einige Leute nehmen sich auch ein "Bento" mit zur Uni, die hiesige Version des Pausenbrotes. Das ist dann Essen in einer Art Brotdose, soweit ich gesehen habe meistens Reis mit irgendwas, manchmal auch Nigiri (Reiskloß mit irgenwas drauf oder drin) oder Sushi. An kalten, klebrigen Reis habe ich mich noch nicht so richtig gewöhnt, also vergnüge ich mich mit dem Mensaessen ("das kenn ich nicht, das probier ich aus") und übe fleißig mit Stäbchen zu essen.
Kaltes Wasser ohne Kohlensäure und Tee gibt es umsonst und soviel wie man möchte.

Für die japanischen Studenten hat endlich die Uni richtig angefangen und ich habe schnell Kontakt gefunden. Auch Mai, die Japanerin, die ich aus Deutschland kenne, ist wieder hier. Dadurch komme ich jetzt mehr raus und kann viel Japanisch üben.

Ich werde versuchen am Samstagabend zu Skypen, kann es aber noch nicht ganz sicher versprechen. Bei Euch wird es dann so gegen Mittag sein.
Für dieses Wochenende ist auch leider wieder Regen angekündigt, nachdem wir seit Dienstag wieder schönes Wetter hatten und anscheinend auf einen goldenen Herbst zugehen.

Montag, 1. Oktober 2007

I´m an alien!

So, nun habe ich auch meine "Alien Registration Card" abholen können. Diese Karte muss ich nun immer mit mir herumtragen und sie sagt aus, dass ich ein legal in Japan lebender Ausländer bin. Sie ermöglicht es mir auch solche Sachen zu tun, wie z.B. ein Bankkonto zu eröffnen. Außerderm sieht sie hübsch aus: Es ist eine weiße, sehr stabile Plastikkarte in Kreditkartengröße mit allerleih Nummern darauf. Im Plastik sind Hologramme eingelegt, die sie schimmern lassen. Es ist schon gut ein registrierter Alien zu sein. ;)

Der Herbst ist innerhalb von zwei Tagen mit Wucht hereintgebrochen. Seit Samstag haben wir hier durchgehend Nieselregen und die Temperaturen sind auf um die 20 Grad gefallen. Somit war es dann auch nichts mit Sightseeing am Wochenende. Die Bäume fangen jetzt auch an sich zu verfärben.
An der Uni sind sie daraufhin direkt von Klimanalagenkühlung zum Heizen übergegangen. Was bei den Auslandsstudenten heute dazu geführt hat, dass wir eigentlich alle falsch angezogen waren: Genau richtig für draußen, aber drinnnen war es für uns zu warm.