Sonntag, 16. März 2008

Bruchstücke I

Da es zur Zeit noch keinen Schulbus von hier zur Uni gibt, bin ich stolze Besitzerin einer vergünstigten Monatskarte für Studenten. Diese kann ich zwar ausschließlich für die Strecke von meiner Wohnung zur Uni benutzen, ist aber trotzdem toll.
Eines morgens an der U-Bahnstation hier in Issha musste ich erschreckt feststellen, dass meine Karte nicht mehr da war. Da aber der ganze restliche Inhalt meines Portemonais noch vorhanden war, ging ich davon aus, dass sie mir wohl am Vorabend in Ikeshita aus dem Portemonais gefallen war, als ich dort das Münztelefon benutzen wollte und nach Kleingeld gesucht habe. Praktischerweise gibt es an jeder U-Bahnstation in Nagoya einen Schalterbeamten und so fragte ich den Herren um Rat. Leider war das einer von der Sorte, die sich nicht gerne mit Ausländern unterhalten und somit dauerte es 15 Minuten bis ich aus ihm heraus hatte, dass ich zum Büro der U-Bahn in Hoshigaoka müsste und einige weitere Minuten bis er mir die Öffnungszeiten dieses Büros mitteilte. Am Nachmittag bin ich dann zum besagten Büro gefahren, wo mir sehr lieb weiter geholfen wurde. Die Dame dort fragte mich also nach meinem Namen (der nämlich auch auf der Karte steht) und rief für mich beim Fundbüro an. Sie gab meinen Namen mehrmals durch und buchstabierte ihn auch, um mir dann mitteilen zu können, dass sich meine Karte tatsächlich bereits im Fundbüro befand. Dann drückte sie mir einen Stadtplan in die Hand und erklärte mir den Weg zum Fundbüro. Das Fundbüro befindet sich in einem großen Gebäude in der Nähe des Rathauses, in dem ich mich dann auch gleich verlief. Von einem hilfsbereiten Japaner wieder auf den richtigen Weg gebracht, fand ich mich vor einem in die Wand eingelassenem Glasfenster mit Durchreiche wieder, hinter dem sich ein völlig zugestellter Raum mit zwei alten Japanern befand. Kaum hatten sie mich erblickt, riefen sie freudig "Dschulia!" aus und eilten auf die Durchreiche zu. Das waren wohl die Leute mit denen die nette Dame telefoniert hatte. Keine 5 Minuten später hatte ich meine Monatskarte wieder und zusätzlich drückten sie mir noch zwei kleine Schnipsel in die Hand, die sehr wir reguläre Fahrkarten aussahen. Auf meine Frage, was das denn sei, erklärten sie mir, dass das zwei Freifahrtsscheine seien, mit denen sich die U-Bahngesellschaft für die Unannehmlichkeiten entschuldigen möchte, die ich durch meine verlorenen Karte gehabt haben könnte. Verduzt verließ ich das Gebäude. Ich habe Freifahrtsscheine dafür erhalten, dass ich so blöd war meine Karte zu verlieren...

1 Kommentar:

Isabella-chan hat gesagt…

Julia, ich liebe dich. ;-) Dein Humor ist echt einmalig. Freue mich schon super auf deine Rückkehr! Hdl